Theaterperipherie, Frankfurt – Ich rufe meine Brüder von Jonas Hassen Khemiri

Das Stück

„Da ist neulich so ein krankes Ding passiert. Habt ihr gehört? Ein Mann. Ein Auto. Zwei Explosionen. Mitten in der City.“ Ein Anschlag in der Innenstadt. Und sofort die unweigerliche Frage: Wer ist der Schuldige? Der Personenkreis, auf den der Verdacht fällt ist – spätestens seit 9/11 – klar. Der Anschlag wird für Amor, den einzelgängerischen Chemiestudenten, zum Auslöser eines Trips. Erinnerungen werden wach: Da taucht der beste Freund auf, der inzwischen Vater ist, die Cou-
sine, die mittlerweile nach Tunesien zurückgekehrt ist, seine Jugendliebe, die ihn dazu auffordert, einem Polizisten in den Schritt zu fassen. Und ihm wird immer klarer: Irgendetwas stimmt hier nicht, die Erinnerungen entwickeln mehr und mehr ein unkontrollierbares Eigenleben. Was ist Wahn, was Wirklichkeit? Wer ist Freund, wer Feind? Der Kopf wird zum Gedanken-Schlachtfeld und dann: Gewaltphantasien. Ein Messer hat er ja auch schon eingepackt. Eine verlässliche Größe wie die Wahrheit gibt es jetzt nicht mehr. Nur noch Amor, der ankündigt: „Ich rufe meine Brüder an und sage: Jetzt geht‘s los. Haltet euch bereit.“

Ich rufe meine Brüder ist ein Stück über subjektiv empfundenen Rassismus, der seine Wurzeln im realen, gesellschaftlichen Alltag hat und die (medialen) Bilder, die sich in den Köpfen einer Gesellschaft festsetzen. In Schweden gab es 2010 tatsächlich ein solches Attentat, auf dessen Folie der Text entstand.

Darsteller

Hadi Khanjanpour, Silvana Morabito, Kathleen Witt, Alireza Zeinal Zadeh

Regie

Ute Bansemir

Kostüm

Katja Quinkler

Dramaturgie

Jan Deck

Musik

Torsten Knoll

Licht

Alexander Brill

Regieassistenz

Ewgenija Weiß

Regiehospitanz

Diana Seubert

Technik

Mirjam Lüdecke

Fotos

Seweryn Selazny

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