Die Schirmherrin

Ruth Wagner, Staatsministerin a. D.

Liebe Theaterfreundinnen und Freunde,

gerne habe ich die Schirmherrschaft über die Theatertour "Made in Hessen - 100% Theater" für das Jahr 2011 übernommen. Ich freue mich, dass laPROF der Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste Hessen e.V. ein Festival mit neun ausgewählten Stücken an verschiedenen Orten in ganz Hessen veranstalten will. Außergewöhnliche innovative Produktionen sollen mit neuen Ideen, Sprechtheater, Tanz, Filmkomposition, Literatur u.a. darstellende Ausdrucksformen mit einander verbinden. Freie Professionelle Gruppen aus Hessen, die über keine eigene Spielstätte verfügen, sind aufgefordert, sich für diese Aktion zu bewerben.
Der Landesverband will damit in Städten und auf dem Land, neue Zuschauer­gruppen erreichen, neue Theaterereignisse veranstalten, aber auch Künstler fördern und ein hessisches Netzwerk knüpfen, das auch traditionelle Theater- und Kultureinrichtungen als Kooperationspartner einschließt.
Damit ergreift der Landesverband eine Initiative, die die Anfänge der "Freien Theater" vor mehr als 25 Jahren und die in derselben Zeit entstehende breite Festivalszene in Deutschland neben den 150 Staats- und Stadttheatern weiter entwickeln wollte. Die etwa 1000 Freien Theater in Deutschland sind heute ein fester Bestandteil der vielfältigen deutschen Theaterlandschaft mit mehr als 33 Mio.Besuchern pro Jahr. Sie öffnen sich flexibler und innovativer neuen Interessen und verändertem Freizeitverhalten der Jüngeren, aber auch älter- und heterogener werden Bürgerschaft als manche großen Traditionshäuser.
Deshalb wünsche ich dieser Aktion unabhängiger darstellender Künstler auf ihrer Tour mit dem Thespiskarren durch Hessen großen Erfolg.
Falls es regnet, oder die Sonne zu stark scheint, spanne ich gerne den Schirm auf!

Ihre Ruth Wagner, Staatsministerin a.D.

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Grußwort zum 3. landesweiten Theaterfestival der freien Darstellenden Künste „made in Hessen.100% Theater“ im Staatstheater Kassel am 20.09.2015

Friedrich Schiller: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“, 1784

Liebe Theaterfreundinnen und Freunde, „Wozu all das Theater?“ Diese Frage haben sich immer wieder seit dem 18. Jahrhundert Generationen von Theatermachern, Finanziers, Schriftstellern und das Publikum in Deutschland gestellt. Angesichts der Schuldenberge der öffentlichen Haushalte fragen das vermehrt auch Finanzminister, Kämmerer und Parlamentarier heute.
Die eindringliche Antwort darauf hat nach meiner Auffassung der junge Friedrich Schiller gegeben. In einem Vortrag, den er als 25-jähriger am 26. Juni 1784 in einer öffentlichen Sitzung der Kurpfälzischen Deutschen Gesellschaft in Mannheim unter dem Titel „Was kann eine gute Schaubühne eigentlich bewirken?“ hielt, nennt er verschiedene Aufgaben des Theaters: Das Theater könne eine „öffentliche Anstalt des Staates, eine Schule praktischen Weisheit, ein Wegweiser durch das bürgerliche Leben und ein unfehlbarer Schlüssel zu den geheimsten Zugängen der menschlichen Seele sein. Die Großen und Kleinen der Welt könnten hier hören, was sie nie oder selten hören, nämlich Wahrheit; was sie nie oder selten sehen, sehen sie hier: den Menschen.“ Dies scheint mir – trotz der unterschiedlichen zeitgenössischen Ausprägungen theatralischer Veranstaltungen – der Kern der künstlerischen Erfahrung zu sein, die wir als Publikum vom Theater erwarten, die vor allem auch ein junges Publikum, das noch seine „Lebensrolle“ sucht, erwartet. Diesen Anspruch hat sich das Festival des Landesverbandes Professioneller Darstellender Künste in Hessen (laPROF) erneut gestellt.
Das diesjährige Programm lässt sich auf die internationalen Krisen, die Unterdrückung der Menschenrechte, Tod, Folter, Verfolgung und Bürgerkriege im Namen religiöser, politischer und wirtschaftlicher Postulate ein. Es gibt Antworten im Namen der Freiheit, dem Schutz der Menschenrechte und dem Gebot der Hilfe. Theater, die Künste allgemein sind konstituierend für menschliche Verständigung und für soziale und politische Gemeinschaften. Daraus ergibt sich aber auch gerade in dieser Zeit die Verpflichtung der Gesellschaft, des Staates, zur Erhöhung der Mittel für Theater, Kunst und Kultur und zur Förderung künstlerischer Freiheit und ergebnisoffener Recherchen.

In diesem Sinne wünsche ich dem Festival viel Erfolg.

Ihre Ruth Wagner.

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